Wenn der See atmet

Günther Rettelbach Regü • 21. Februar 2026

Wenn der See  atmet - Warum die Winterdurchmischung für Trinkwasser, Sauerstoff und unseren Urlaub entscheidend ist!

Lesezeit: ca. 4 Minuten


Im Winter wirkt der Bodensee ruhig. Nebel liegt über dem Wasser, Segelboote stehen an Land, die Uferpromenaden sind leerer als im Sommer. Viele glauben, jetzt passiert wenig.

Doch genau jetzt entscheidet sich viel.

In diesem Winter hat sich der Bodensee wieder deutlich durchmischt. Fachleute sprechen von einer Vollzirkulation, wenn sich das Wasser vom Oberflächenbereich bis in große Tiefen erneuert. Was technisch klingt, ist für unseren See von zentraler Bedeutung.


Sommer schützt die Tiefe

Im Sommer ist der Bodensee geschichtet. Warmes Wasser liegt oben, kaltes unten. Dazwischen bildet sich eine stabile Temperaturschicht. Der Grund dafür ist eine physikalische Besonderheit: Wasser hat bei etwa vier Grad Celsius seine größte Dichte. Solange die Oberfläche deutlich wärmer ist, bleibt das kalte Tiefenwasser vom Austausch mit der Atmosphäre getrennt.


Diese Schichtung hat Vorteile. Sie schützt die tieferen Wasserschichten vor direkten Einflüssen von außen. Genau aus diesen Tiefen wird Trinkwasser entnommen, unter anderem am Sipplinger Berg. In rund 60 bis 70 Metern Tiefe ist das Wasser kühl, lichtarm und von Natur aus sehr stabil. Millionen Menschen in Baden Württemberg beziehen ihr Trinkwasser aus dem Bodensee.

Warum Erneuerung notwendig ist

Doch Schutz allein genügt nicht.


Im Tiefenwasser wird kontinuierlich Sauerstoff verbraucht. Mikroorganismen bauen organisches Material ab, das aus den oberen Schichten absinkt. Auch natürliche Prozesse im Sediment benötigen Sauerstoff. Ohne regelmäßige Erneuerung kann sich der Sauerstoffgehalt in großen Tiefen langsam verringern.


Hier kommt der Winter ins Spiel.

Wird es lange genug kalt, kühlt die Oberfläche stark ab und nähert sich ebenfalls vier Grad an. Das Wasser wird dichter, sinkt nach unten, wärmeres Wasser steigt auf. Unterstützt durch Wind entsteht eine vertikale Bewegung im gesamten Wasserkörper. Im Idealfall wird der See bis in große Tiefen vollständig durchmischt. Sauerstoff gelangt bis an den Grund.

Diese Durchmischung ist wie ein Neustart für das System.

Nicht selbstverständlich in milden Wintern

Langzeitdaten der Internationale Gewässerschutzkommission für den Bodensee zeigen, dass vollständige Durchmischungen früher regelmäßiger auftraten. Seit den neunziger Jahren gab es mehrere Winter, in denen nur eine Teilzirkulation erreicht wurde. Mildere Temperaturen verhinderten, dass das Oberflächenwasser ausreichend stark abkühlte, um das gesamte Wasservolumen in Bewegung zu bringen.

Eine deutliche Durchmischung ist daher keine Selbstverständlichkeit mehr. Wenn sie gelingt, ist das ein positives Signal für die Stabilität des Sees.


Gut für Fische, gut für Wasserqualität

Tiefenliebende Arten wie Felchen und Seesaibling sind auf kaltes, sauerstoffreiches Wasser angewiesen. Eine vollständige Durchmischung stabilisiert ihre Lebensbedingungen und verhindert langfristige Sauerstoffdefizite in großen Tiefen.

Auch für die Trinkwasserversorgung ist das wichtig. Die Qualität des Rohwassers hängt maßgeblich von der Stabilität der tieferen Schichten ab. Regelmäßige Sauerstofferneuerung trägt dazu bei, dass der Bodensee seine Funktion als einer der wichtigsten Trinkwasserspeicher Mitteleuropas zuverlässig erfüllen kann.


Was das mit unserem Urlaub zu tun hat

Klares Badewasser im Sommer.

Stabile Fischbestände.


Ein gesunder See als Landschaftsraum und Lebensgrundlage.

All das hängt nicht nur vom Wetter im Juli ab, sondern auch von dem, was im Januar geschieht. Der Winter entscheidet mit darüber, wie stabil das Ökosystem im Sommer ist.

Der Bodensee ist kein statisches Postkartenmotiv. Er ist ein sensibles, dynamisches System, das auf physikalische und klimatische Veränderungen reagiert. Die Sommerschichtung schützt die Tiefe. Die Winterdurchmischung erneuert sie.

Beides gehört zusammen.


Wenn sich der See also wieder von oben bis unten durchmischt, ist das kein lautes Ereignis. Man sieht es nicht vom Ufer aus. Doch es ist ein wichtiges Lebenszeichen.

Ein Zeichen dafür, dass unser Heimatsee arbeitet. Für die Fische. Für das Trinkwasser. Und für all jene, die hier leben oder ihren Urlaub verbringen.


ReGü Redaktion Heimatsee

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