Schauspieler Tim Wilde über seine Liebe zum Bodensee, SUP-Touren auf dem Untersee und den Blick auf die Region aus dem Ultraleichtflugzeug
Ermittler auf dem Wasser, Bodenseefan im echten Leben

Für viele Fernsehzuschauer gehört die Serie WaPo Bodensee längst zum Bodensee wie Segelboote, Sonnenuntergänge und der Zeppelin am Himmel. Seit mehreren Jahren ermittelt Schauspieler Tim Wilde darin als Paul Schott auf dem Wasser rund um Konstanz.
Für unsere Plattform Urlaub am Bodensee hat Günther Rettelbach ausführlich mit Tim gesprochen. Schnell wurde deutlich: Der Bodensee ist für Tim Wilde längst mehr als nur ein Drehort. Während der Dreharbeiten verbringt er jedes Jahr viele Monate hier und hat eine enge Beziehung zur Region aufgebaut.
Sein Zuhause während dieser Zeit liegt auf der Halbinsel Höri, unweit von Radolfzell und der Schweizer Grenze. Von dort aus erlebt er den Bodensee sowohl beruflich als auch privat. Im Gespräch erzählt er von morgendlichen Sprüngen in den See, SUP-Touren auf dem Untersee und von der besonderen Atmosphäre der Region. Hier könne er einfach der Tim sein, erzählt er.
Zwischen den Drehtagen gehe er ganz normal einkaufen, treffe Menschen aus dem Ort oder genieße das Leben am See. Manchmal komme es sogar vor, dass er in einer Drehpause noch in Serienuniform beim Bäcker stehe und sich ein Brötchen hole, natürlich nur, wenn vorher die Requisitenwaffe abgegeben wurde.
Die Begegnungen mit den Menschen vor Ort seien entspannt und herzlich. Genau diese Bodenständigkeit schätze er an der Region.
Während der Dreharbeiten beginnt sein Tag oft sehr bodenseetypisch. Wenn er am See wohnt, startet er morgens gerne mit etwas Sport. Danach gehört im Sommer fast immer ein kurzer Sprung in den Bodensee dazu, bevor es zum Dreh geht. Ein paar Minuten im Wasser, sagt er, reichen oft schon, um den Kopf freizubekommen und frisch am Set anzukommen. Die Drehtage beginnen immer so um 07.30 Uhr.
Dass Tim Wilde sich am Bodensee so wohlfühlt, hat auch mit seiner eigenen Lebensgeschichte zu tun. Geboren wurde er in Stralsund an der Ostsee. Wasser spielte deshalb schon früh eine große Rolle in seinem Leben. In jungen Jahren begann er sogar eine Ausbildung als Marinetaucher. Rund ein Jahr lang wurde er dafür ausgebildet, bevor seine Laufbahn bei der Marine schließlich endete.
Boote, Wasser und Technik waren ihm dadurch jedoch nie fremd. Bevor er Schauspieler wurde, absolvierte er zudem eine Ausbildung als Heizungsmonteur, ein handwerklicher Beruf, der ihm bis heute hilft, technische Zusammenhänge schnell zu verstehen oder pragmatische Lösungen zu finden.
Für die Dreharbeiten von WaPo Bodensee mussten sich die Schauspieler intensiv mit dem Leben auf dem Wasser auseinandersetzen. Tim Wilde hatte zwar bereits Erfahrung mit Booten und einen Bootsführerschein, für den Bodensee musste er jedoch zusätzlich das spezielle Bodenseeschifferpatent erwerben. Der See habe seine eigenen Regeln, sagt er, und das Patent gelte nicht umsonst als besonders anspruchsvoll.
Heute kennt er vor allem den Untersee sehr gut. Privat ist er dort häufig mit dem Stand-up-Paddleboard unterwegs. Die Strömungen kennt er inzwischen genau. Manchmal paddelt er bewusst gegen die Strömung, um sich anschließend einfach treiben zu lassen. Gelegentlich so entspannt, dass er dabei sogar kurz einschläft.
Der Bodensee sei für ihn ein Ort, an dem man wirklich zur Ruhe kommen könne.
Neben dem Wasser hat Tim Wilde noch eine zweite Perspektive auf die Region entdeckt: die Luft. Früher litt er unter Flugangst. Um diese zu überwinden, entschloss er sich zu einem ungewöhnlichen Schritt und machte den Pilotenschein für Ultraleichtflugzeuge.
Heute fliegt er regelmäßig selbst und genießt den Blick auf die Landschaft rund um den Bodensee. Da er nur innerhalb Deutschlands fliegen darf, führen ihn seine Routen häufig in Richtung Schwarzwald oder nach Oberschwaben, etwa zum Flugplatz Mengen oder nach Donaueschingen. Oft ist er dabei mit seinem Kumpel Peter unterwegs.
Mit dem berühmten Zeppelin NT ist er bisher noch nicht selbst geflogen. Begegnet ist er dem Luftschiff jedoch immer wieder, manchmal sogar ganz entspannt vom Wasser aus. Wenn er auf seinem SUP auf dem Untersee unterwegs ist und plötzlich der Zeppelin über ihn hinwegzieht, während sein Schatten über das Wasser wandert, seien das besondere Momente, die man so nur am Bodensee erlebe.
Während seiner Zeit am See sind auch Freundschaften entstanden. Wilde erzählt, dass er viele Einheimische kennengelernt hat, mit denen sich inzwischen echte Bekanntschaften und Gespräche ergeben haben. Diese Begegnungen und die Offenheit der Menschen seien für ihn ein wichtiger Teil dessen, was den Bodensee so besonders mache.
Mit einem Augenzwinkern erwähnt er auch das internationale Flair der Region. Man sei schnell in der Schweiz, und dort gehöre es dann eben auch dazu, einmal eine Bratwurst für ein paar Euro mehr, als in Deutschland zu essen, sagt er lachend.
Je länger Tim Wilde am Bodensee arbeitet, desto stärker wächst seine Verbindung zur Region. Mit einem Lächeln erzählt er, dass er durchaus darüber nachdenkt, irgendwann dauerhaft hierher zu ziehen. Er halte bereits die Augen offen nach einer schönen Immobilie am See.
Allerdings, fügt er mit Humor hinzu, brauche man dafür am Bodensee natürlich auch das passende Budget. Er spare noch.
Als Ermittler Paul Schott verkörpert Tim Wilde eine Figur mit klarer Haltung, manchmal kantig, direkt und unbequem. Ein wenig von dieser Rolle sei im Laufe der Jahre auch auf ihn selbst übergegangen, sagt er.
Privat beschreibt er sich jedoch eher als harmoniebedürftigen Menschen, der gerne mit anderen arbeitet und neugierig bleibt. Deshalb unterstützt er immer wieder auch kleinere Filmprojekte oder Studentenfilme und hilft jungen Regisseuren bei ihren ersten Schritten.
Fans der Serie können sich derweil auf neue Folgen freuen. Die aktuelle Staffel von WaPo Bodensee läuft weiterhin dienstags um 18:50 Uhr im Ersten.
Interview - Fragen und Antworten mit Tim Wilde
Tim, viele Zuschauer verbinden dich inzwischen sehr stark mit dem Bodensee. Wie viel Zeit verbringst du während der Dreharbeiten tatsächlich hier?
Während der Dreharbeiten bin ich tatsächlich ein gutes halbes Jahr am Bodensee. Wir drehen meistens im Sommer, und in dieser Zeit wird die Region für mich fast zu einer zweiten Heimat.
Wo wohnst du während dieser Zeit?
Ich wohne meistens auf der Halbinsel Höri, also zwischen Radolfzell und Stein am Rhein. Das ist ein wunderschöner Ort und hat eine ganz besondere Atmosphäre. Vor allem die Menschen dort sind sehr herzlich. Hier habe ich mein Stammhotel, wo ich auch gern mal beim Frühstück mit anderen Gästen ins Gespräch komme.
Wie sieht dein Alltag während der Dreharbeiten aus?
Relativ normal eigentlich. Ich gehe einkaufen, treffe Leute aus dem Ort oder fahre nach Radolfzell zum Training ins Fitnessstudio. Dadurch kommt man auch mit vielen Einheimischen ins Gespräch.
In Drehpausen kann es sogar passieren, dass ich noch in Serienuniform beim Bäcker stehe und mir ein Brötchen hole. Natürlich nur, wenn vorher die Requisitenwaffe abgegeben wurde. Das ich da eine Uniform anhabe, wird verziehen, die Leute kennen mich ja.
Du startest deine Tage am Bodensee oft sehr sportlich, oder?
Ja, im Sommer gehört für mich ein kleiner Sprung in den Bodensee fast schon zum Morgenritual. Erst etwas Sport, dann kurz ins Wasser und danach geht es zum Dreh. Das ist ein perfekter Start in den Tag.
Deine Verbindung zum Wasser reicht ja viel weiter zurück als zur Serie.
Das stimmt. Ich komme aus Stralsund an der Ostsee, Wasser hat also schon immer eine Rolle in meinem Leben gespielt.
Ich habe damals auch eine Ausbildung zum Marinetaucher begonnen und etwa ein Jahr lang gemacht. Irgendwann wurde mir aber klar, dass ich eigentlich in den Westen wollte. Dann hat sich mein Weg einfach anders entwickelt.
Vor deiner Schauspielkarriere hast du auch noch einen ganz anderen Beruf gelernt.
Ja, ich habe eine Ausbildung als Heizungsmonteur gemacht. Das ist ein sehr handwerklicher Beruf, und ich bin auch heute noch froh darüber. Technisches Verständnis hilft einem im Alltag immer wieder.
Für die Serie musstest du dich trotzdem noch einmal intensiv mit dem Leben auf dem Wasser beschäftigen.
Ja, ich hatte zwar schon Erfahrung mit Booten, aber für den Bodensee braucht man das Bodenseeschifferpatent. Das ist etwas Besonderes, weil der See eigene Regeln hat. Also musste ich das Patent noch einmal machen.
Auch privat bist du viel auf dem Wasser unterwegs.
Sehr gerne. Ich bin oft mit dem SUP auf dem Untersee unterwegs. Die Strömungen dort kenne ich inzwischen ziemlich gut.
Manchmal paddelt man gegen die Strömung und lässt sich anschließend einfach treiben.
Du hast einmal erzählt, dass du dabei sogar eingeschlafen bist.
(lacht) Ja, das passiert tatsächlich. Wenn es ruhig ist, die Sonne scheint und man sich treiben lässt, dann kann das unglaublich entspannend sein.
Neben dem Wasser hast du noch eine zweite Perspektive auf den Bodensee entdeckt: die Luft.
Ja, ich fliege Ultraleichtflugzeuge. Früher hatte ich Flugangst und habe mich irgendwann entschieden, das aktiv anzugehen.
Dann habe ich den Pilotenschein gemacht. Ich sag’s dir, da oben ist es herrlich.
Du siehst den Bodensee also regelmäßig von oben?
Genau. Ich fliege häufig über die Region, zum Beispiel Richtung Schwarzwald oder nach Oberschwaben, etwa zum Flugplatz Mengen oder nach Donaueschingen. Der Blick von oben ist wirklich beeindruckend.
Begegnet man dabei auch dem Zeppelin?
Mit dem Zeppelin selbst bin ich noch nicht geflogen, aber ich sehe ihn immer wieder. Manchmal sogar vom Wasser aus.
Wenn man auf dem SUP auf dem Untersee treibt und plötzlich der Zeppelin über den See zieht und sein Schatten über das Wasser wandert, sind das ganz besondere Momente.
Während deiner Zeit am Bodensee entstehen sicher auch Freundschaften.
Ja, absolut. Ich habe viele Einheimische kennengelernt, mit denen man immer wieder ins Gespräch kommt. Diese Begegnungen gehören für mich inzwischen einfach zum Leben am Bodensee dazu.
Der Bodensee ist ja auch eine internationale Region.
Das stimmt. Man ist schnell in der Schweiz. Da gehört es dann auch dazu, dass man dort mal eine Bratwurst für zwölf Euro isst. (lacht). Aber, fügt er hinzu, Stein am Rhein und die vielen tollen Orte, sollte man schon mal besucht haben.
Kannst du dir vorstellen, irgendwann dauerhaft hierher zu ziehen?
Durchaus. Ich halte tatsächlich schon ein bisschen die Augen offen nach einer Immobilie am See.
Aber da braucht man natürlich auch das entsprechende Budget. Ich spare noch.
Deine Rolle Paul Schott wirkt manchmal sehr kantig. Wie viel von dieser Figur steckt inzwischen auch in dir?
Ein bisschen färbt das natürlich ab. Aber grundsätzlich bin ich eher ein harmoniebedürftiger Mensch. Mir ist ein gutes Miteinander wichtig. Privat bin ich kein so ein Macho.
Du unterstützt auch junge Filmschaffende.
Ja, wenn ich kann, mache ich das gerne. Studentenfilme oder Projekte von jungen Regisseuren finde ich spannend. Jeder braucht irgendwann eine Chance.
Was würdest du Menschen empfehlen, die den Bodensee zum ersten Mal besuchen?
Sich Zeit zu nehmen. Der Bodensee hat viele unterschiedliche Seiten. Am besten erlebt man ihn auf dem Wasser, vielleicht auf einem SUP oder bei einer Bootsfahrt.
Oder auch einmal aus der Luft bei einem Rundflug. Oder einfach an den See sitzen und chillen.
Tim, lieber Tim, vielen Dank, dass du dir heute so viel Zeit genommen hast. Wir haben jetzt fast zwei Stunden miteinander gesprochen. Es war wirklich ein tolles Gespräch. Wann kommst du denn wieder an den Bodensee zurück?
Mitte April bin ich wieder am Bodensee. Dann beginnen auch wieder die Dreharbeiten, und ich freue mich natürlich sehr darauf, wieder hier zu sein und neue Folgen von WaPo Bodensee zu drehen.
Dann hoffen wir natürlich, dass wir uns dort auch persönlich einmal begegnen. Würdest du dich freuen, unsere Community vielleicht sogar einmal direkt am Bodensee zu treffen?
Sehr gern. Der Bodensee ist für mich inzwischen wirklich ein besonderer Ort geworden, und ich freue mich immer über Begegnungen mit Menschen aus der Region.
Für uns von Urlaub am Bodensee und mich, Günther Rettelbach, war dieses Gespräch vor allem die Begegnung mit einem Menschen, der den Bodensee nicht nur aus der Perspektive einer Fernsehrolle kennt, sondern ihn wirklich erlebt.
Freundlicherweise hat uns die talentierte Fotografin Anna Clara Schrenker (@annaclarastudio) zusätzlich Bildmaterial zur Verfügung gestellt. Das ist keineswegs selbstverständlich. Dafür möchten wir uns an dieser Stelle noch einmal ganz herzlich bedanken.
Wir freuen uns schon jetzt auf ein persönliches Wiedersehen am Set und auf weitere Gespräche mit diesem sympathischen Bodenseefan.
Neue Folgen von WaPo Bodensee im TV
Fans der Serie WaPo Bodensee können sich auf mehrere neue Episoden freuen. Die aktuellen Folgen laufen jeweils dienstags um 18:50 Uhr im Ersten.
Die nächsten neuen Folgen:
17. März – Gefährliche Begegnung
(Folge 108)
24. März – Der letzte Auftrag
(Folge 109)
31. März – Das Phantom
(Folge 110)
7. April – Tödlicher Neuanfang
(Folge 111)
14. April – In der Falle
(Folge 112)
Wiederholungen im Fernsehen
Zusätzlich laufen regelmäßig Wiederholungen der Serie auf verschiedenen Sendern:
BR Fernsehen – meist 14:10 Uhr
SWR Fernsehen – meist DO ab 22:00 Uhr
hr-fernsehen – meist früher Nachmittag
Dort werden aktuell Folgen aus den Staffeln 1 bis 6 ausgestrahlt.
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